Klimamanagement als letzte Lösung?

14.05.2018

Der Klimawandel, beeinflusst durch uns Menschen und unseren Lebensstil auf unserem Planeten, ist aktuell eine der größten Herausforderungen im Zusammenspiel von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Nach allem, was wir heute über die Prozesse und Treiber des Klimawandels wissen, müssen wir schnell handeln, wenn wir der fortschreitenden Erderwärmung entgegenwirken wollen. Ist Klimamanagement der Ozeane - im Sinne eines direkten Eingreifens in marine Ökosysteme - eine Lösung?

Von Gerhard J. Herndl

Anlässlich der derzeitigen Semesterfrage an der Universität Wien – „Wie retten wir unser Klima?“ – hatte ich die Möglichkeit, mit Interessierten auf derStandard.at die Frage nach dem Klimamanagement und besonders die Rolle der Meere bei einer notwendigen Reduktion der Emissionen von Treibhausgasen zu diskutieren. Der Ozean ist immerhin ein wesentlicher Teil im globalen Kreislauf des Kohlendioxids und der größte Wärmespeicher auf unserem Planeten – und bietet damit spannende Ansätze für biologisches Klimamanagement. Entsprechende Überlegungen gibt es einige. Es gibt aber nur wenige Möglichkeiten, mit Klimamanagement der Meere die CO2-Konzentration im System Erde zu reduzieren, ohne gleichzeitig den Ozean grundlegend zu verändern.

Als Meeresbiologe kann ich nur sagen: Globales Klimamanagement in Bezug auf die Reduktion von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre und im Meer ist möglich, aber mit noch nicht abschätzbaren Risiken verbunden. Klimamanagement sollte besser nicht die Notlösung sein, auf die wir letzten Endes zugreifen müssen. Es braucht politischen Gestaltungswillen, den Verbrauch von fossilen Brennstoffen drastisch und rasch zu reduzieren. Es braucht eine Kreislaufwirtschaft, die mit den vorhandenen Ressourcen sparsam umgeht und Recyclingsysteme etabliert. Es braucht das Bewusstsein eines jeden, durch Änderungen unserer Lebensgewohnheiten zur Reduktion des Kohlendioxids beizutragen. Das wäre zumindest ein Anfang.

Das Klima ist ein schillerndes Beispiel dafür, wie eng verwoben, gleichzeitig komplex ökologische, soziale, politische und wirtschaftliche Aspekte eines Umweltthemas sein können. So verwundert es auch nicht, dass sich Aspekte zum KLimawandel und CO2-Kreislauf durch die Beiträge dieser Ausgabe unseres Newsletters ziehen. Wir wünschen Ihnen jedenfalls eine interessante Lektüre!

Gerhard J. Herndl ist Professor für Aquatische Biologie an der Universität Wien, Dekan der Fakultät für Lebenswissenschaften der Universität Wien und stellvertretender Leiter des Forschungsverbundes Umwelt

Beiträge zur Semesterfrage der Universität Wien: „Wie retten wir unser Klima?“

Gerhard J. Herndl (links) mit einem Kollegen an Bord des Forschungsschiffs Pelagia bei der Arbeit mit Messsensoren. (Copyright: Alexander Bochdansky)
Semesterfrage 2018
Alle Beiträge zur Semesterfrage im Sommersemester 2018